K. H. Waggerl   Prof. Erwin Exner   Ernst Huber   Joseph Mohr   Lutz Besch


„Waggerl in Wagrain“ - Spuren

Der Markt birgt bereits einige Stätten, die an Waggerl erinnern. Aber zunächst noch einige Lebensdaten:

Im Jahr 1920 erhielt K. H. W. eine Anstellung als Lehrer in Wagrain.
Er bewohnte von Anbeginn mit seiner Frau Edith (Dita) als Untermieter eine Dachkammer im „Aignerhaus“, auch „Kainhaus“ genannt, dem heutigen
„Waggerl Haus“auf dem Kirchboden.

„Ich kannte den Ort nicht einmal dem Namen nach, als ich in jungen Jahren hierher geschickt wurde, um den kleinen Wagrainern das Einmaleins beizubringen ....“
Wagrainer Bilderbuch, 1973, S. 98 (aus einer Rundfunksendung zum 70. Geburtstag)

Noch gezeichnet von der Krankheit, die er aus dem Krieg mitbrachte, wurde K. H. W. 1923 auf sein Ansuchen in den dauernden Ruhestand versetzt.

„Ein Jahr oder zwei stand ich dann wirklich in der Schulstube, nicht durchaus zum Wohlgefallen meiner Vorgesetzten, fürchte ich, aber zur ungemischten Freude der Kinder, das weiß ich sicher. Es gibt noch heute einige Analphabeten aus dieser Zeit im Dorf. ... ... Irgend etwas Großes, weithin Hallendes stand mir im Sinn, ich wollte dieses kümmerliche Dorf zu einer Stätte der Musen machen, und weil ich Österreicher bin, tat ich, was ein Österreicher in solchen Fällen immer tut, ich gründete einen Verein. ...Ich wollte aber die Jugend unter meiner Rebellenfahne sammeln, neue Gedanken wie Brände in diesen modrigen Haufen schleudern, kurzum ein Theater gründen.“
„Das Lebenshaus, Die Kunst des Müßiggangs“, S. 129-130
Sämtliche Werke, Bd. II, Otto Müller Verlag, Salzburg 1997, S 560
Am Marktplatz stand das Gasthaus „Zum Metzgerwirt“, - heute befindet sich darin dieFliliale der Raiffeisenkasse (Markt 10) - wo die Theatergruppe in der Tenne auftrat und auch die Proben abhielt.

wagrain

Gespielt wurden zunächst durchaus klassische Stücke, wie der „Jedermann“ oder „Die Räuber“ (mit Waggerl in einer Doppelrolle als Karl und Franz). Waggerl schrieb dann allerdings als der Erfolg bei der bäuerlichen Zuschauerschaft eher gering war auch selbst Schwänke (Simmerl). Auch für Kinder verfaßte er einige Stücke, wie z.B. „Kasperl beim lieben Gott“ oder „Drei Wünsche“.
Dieses Gasthaus war aber auch Treffpunkt des Ehepaares Waggerl mit Freunden zum Kartenspielen oder zum gemeinsamen Singen. Edith Waggerl berichtet davon oft in Ihrem Tagebuch.

Auch die Marktlinde hat einen Bezug zu Waggerl: Das in Wagrain alljährlich stattfindende „Lindenfest“ geht auf Waggerl zurück. Er hat es 1926 als Dorffest und Dorfbelustigung ins Leben gerufen. Vom Kriegsbeginn bis in die 70er Jahre fand es nicht mehr statt, aber seither ist es wieder ein Anziehungpunkt für Alt und Jung.

Im Frühjahr 1927 zerstörte ein Brand einen Großteil der Häuser am Marktplatz und auch die Marktkirche (von Santino Solari , dem Dombaumeister 1616 erbaut) wurde erheblich in Mitleidenschaft gezogen.
Die Not war groß! Man überlegte, auf welche Weise den Betroffenen und aber auch dem ganzen Ort geholfen werden konnte. Drei Männer- Karl Heinrich Waggerl, Oberlehrer Josef Reisenberger und Oberförster Linus Hochleitner - erkannten, daß nur durch Hebung des Fremdenverkehrs wieder Geld in den Ort kommen konnte und sie gründeten den „Fremdenverkehrsverband“ und den „Wintersport-verein“. Waggerl war in diesem Dreigespann derjeneige, der sich um die Werbung kümmerte. Er gestaltete zunächst selbst mit eigenen Fotos Werbeprospekte und schrieb auch die Texte.
So z.B. ist einer seiner Werbeslogans „Es gibt Naturschutzgebiete, Wagrain ist ein Menschenschutzgebiet“.

Bereits im Herbst desselben Jahres errichtete der Wintersportverein die erste Hütte am Grießkareck, dem Hausberg Wagrains: die „Kogleralm“ (heute Kogelalm).
Es existiert noch das erste Hüttenbuch der Alm - Waggerl hat es in Leder gebunden!
1930 errichtete Alexander Weiß das Wagrainerhaus. Man organisierte Schirennen vom Grießkareck mit Ziel auf dem Marktplatz. Es sind noch von den Waggerls handgewebte (!) Startnummern erhalten.
1936 logierte die Österreichische Nationalmannschaft der Sprung- und Langläufer (!) zum Training im Wagrainerhaus, auch Bubi Bradl (der erste Schispringer, der 100 m übersprang) war dabei.

waggerl beim skisprung

Waggerl, Reisenberger und Hochleitner wurden 1935 wegen ihrer Verdienste um die Fremdenverkehrs-förderung die Ehrenbürgerschaft Wagrains verliehen.
Waggerl hatte 1934 den Österreichischen Staatspreis für Literatur erhalten - dies war der Gemeinde lediglich ein Glückwunschschreiben wert.
Auch im Gemeindehaus (Markt 14) war Waggerl tätig, zunächst als Schreiber, in den 30er Jahren als Gemeindevertreter (Referent für Schul- und Bildungsfragen), während des Zweiten Weltkrieges für acht Monate als „kommissionarischer Bürgermeister“.

 

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fotografie "brille" von k. h. waggerl

Der Weg führt nun weiter auf den Kirchboden- auf dem „Karl Heinrich Waggerl-Weg“ gelangt man zum Waggerl Haus. (K. H. Waggerl-Straße 1) In diesem Haus hat Waggerl über 50 Jahre seines Lebens verbracht.

„Das Haus, in dem ich nun schon so lange lebe, dieses liebe Gemäuer steht auf einem Hügel. Es heißt das Kainhaus, ich hoffe zu Gott, daß es nicht die Heimstatt des Brudermörders war, alt genug könnte es ein, voller Gebrechen, von einer unverwüstlichen Hinfälligkeit.
„Das Lebenshaus“, „Die Kunst des Müßiggangs“;
Verlag der Arche, Zürich, 1959, S. 141
Sämtliche Werke,Bd. II, Otto Müller Verlag, Salzburg 1997 S 568

Urkundlich wurde das Haus 1726 erstmals erwähnt. K.H. Waggerl erwarb es erst 1955, bis dahin war er Untermieter.
Durch eine Schenkung von Edith Waggerl (+1990) wurde es der Marktgemeinde Wagrain möglich, das Haus gemeinsam mit dem Team des Wagrainer Kulturvereins „Blaues Fenster“ und mit Wissenschaftern als Museum umzugestalten und 1994 zu eröffnen.
Die wichtigsten Räume sind so belassen, wie Waggerl sie bewohnt hat.Im ganzen Haus sind Beispiele der kunsthandwerklichen Tätigkeiten Waggerls - des Buchbinders, Malers, Zeichners, Fotografen und Sammlers - zu sehen.
In einigen Nebenräumen wurden Informationstafeln, Vitrinen, zwei Hörstationen und ein Videofilm eingerichtet, die sich mit der Person und dem Werk kritisch und informativ beschäftigen. Das Museum soll ein Ort des Kennenlernens, des Wiedersehens und der Auseinandersetzung mit dem Dichter sein. Darüberhinaus enthält es auch Aspekte eines „Heimatmuseums“, da ja der Begriff „Heimat“ für Waggerls Werk zentral war.

Waggerls besondere Liebe galt dem Garten, in dem er neben Raritäten auch heimische Pflanzen zog. Dieser Garten wurde nach alten Fotos von Fachleuten wieder in die von Waggerl angelegte Form gebracht und zeigt sich vom frühesten Frühjahr bis weit in den Herbst in einer reichen Blütenfülle.
Das Grundstück gegenüber des Hauses war ebenfalls im Besitz Waggerls, dortbefand sich ein alter, der dem Bau der Straße weichen mußte. Dieser sogenannte „Waggerlkasten“ wurde jedoch wiedererrichtet und nach Waggerls Wunsch wohnlich ausgestattet und befindet sich jetzt neben der Scheune des Pfarrhofs am Joseph Mohr-Weg mit dem Vorsatz, jungen Schriftstellern oder Studenten eine Unterkunft zu bieten.
Dieser sogenannte „Waggerlkasten“ wurde jedoch versetzt und befindet sich jetzt neben der Scheune des Pfarrhofes am „Joseph Mohr-Weg“.Er sollte jungen Schriftstellern und Studenten, die in Wagrain arbeiten als Unterkunft dienen.

Waggerl besaß noch ein weiteres Grundstück, die „Waggerlwiese“, gekauft von Edith Waggerl bereits in den 30er Jahren, möglicherweise zur Errichtung eines Wohnhauses. Dieses Grundstück ist heute ebenso wie das Waggerl Haus nach einer Schenkung durch Edith Waggerl (mit der Auflage, daß es nicht verbaut werden dürfe) im Besitz der Gemeinde Wagrain. Ihrem und K . H. Waggerls Wunsch entsprechend wurde dort eine Parkanlage errichtet - ist ein Platz zum Ausruhen und Besinnen.
Hier beginnt auch die Schönberger-Promenade, ein beliebter Spazierweg Waggerls mit seinem schwarzen Pudel Campi.

Wieder ein Stück zurück führt der Weg zur Kirche, vorbei an der Joseph Mohr-Schule, in der Waggerl kurze Zeit wirkte, und durch den Friedhof, wo Waggerl und der Dichter des Weihnachtsliedes „Stille Nacht, heilige Nacht“ , Joseph Mohr ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.
„Ein geheimer Zauber muß wohl über diesem Dorf liegen. Leute von weither ließen plötzlich alles hinter sich und wurden hier seßhaft - nicht als heilige Einsiedler, versteht sich, sondern einfach, weil das Leben ein Geschäft ist, für das man sich Zeit lassen muß.“
aus dem Text zu Wagrain-Film, Verkehrsverband , 1960 abgedruckt: „Wagrainer Bilderbuch“, Arche, Zürich, 1973, S 80.

 

AUSFLUGMÖGLICHKEITEN:

1. Mit der Gondelbahn „Flying Mozart“
(Bergbahnen AG. , Markt 59, Tel: 06413-8238-0, FAX: 06413-8238-11) erreicht man bequem und in kurzer Zeit den Hausberg der Wagrainer, das Grießkareck. Ein vor Kurzem angelegter Themenweg führt den Wanderer von der Bergstation zur Koglalm und zum Wagrainerhaus und weiter abwärts, vorbei am Rupertisee (künstlich angelegt) bis zum Nazbauer. Ausflüge mit den Schiern zum Nazbauer waren für das Ehepaar Waggerl ein beliebter Zeitvertreib.
Vom Nazbauer kann man wieder mit der „Flying Mozart“ (Mittelstation) ins Tal zurückkehren.
1949 wurde die erste Aufstiegshilfe, der „Nazlift“, ein Sessellift in einfachster Ausführung mit Holzstützen errichtet. Dies war das Ereignis, das dem Fremdenverkehr und vor allem dem Wintertourismus einen großen Aufschwung gab.
Mit viel Prominenz, darunter natürlich auch Waggerl, wurde die Eröffnung vorgenommen. Dieser Lift wurde immer mehr verbessert, aber nach der Erichtung der Gondelbahn „Flying Mozart“ war er nicht mehr genügend komfortabel und wurde vor Kurzem abgetragen.

2. Ausflug in die nähere Umgebung: Über Kleinarl zum Jägersee, weiter bis zur Schwabalm (Parkplatz) und dann in etwa 1½ stündigem Aufstieg zum Tappenkarsee.

„Dieses Wasser hat alle Farben, es leuchtet wie buntes Glas, es ist von Bändern aus zartgrüner Seide durchwirkt, die lang hinwallen und im einfallenden Licht zerfließen. Der See ist grundlos, sagt man, aber seine Fläche ist so friedlich und glatt, sie trägt mich sanft und spiegelt das Bild der Berge wider und des großen, des unermeßlich hohen Himmels.“
„Nachlesebuch“, Hrsg.: Lutz Besch, Otto Müller-Verlag, Salzburg1977, S 138

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