Wagrain-Waggerl Haus, Hörstationen

Hörstationen im Waggerl Haus - Beschreibung

„Der Dichter. Die Kritiker. Die Wagrainer.“
Von Tomas Friedmann (aus Museumsführer)

Karl Heinrich Waggerls literarisches Werk ist untrennbar mit der Interpretation durch den Schriftsteller verbunden. Das gilt nicht nur für die kleine Prosa nach 1945, sondern auch für die Romane, die der Autor vor Publikum und für den Rundfunk las. Es lag also nahe, das Museum in Wagrain auch als Ort des Wiederhörens einzurichten.


1. Hörstation:
In der ehemaligen Küche im Erdgeschoß des Museums. Sie lebt von Waggerls Stimme. Der Dichter liest seine kurze Geschichte “Mein Tisch“ aus der Sammlung “Liebe Dinge“ (1956).
In dieser bekannten Miniatur erzählt Waggerl vom ersten Stück Hausrat, das er erwarb, “als ich mich in jungen Jahren entschlossen hatte, seßhaft und ein gesitteter Mensch zu werden.“ Der Tisch ist nicht nur Gebrauchsgegenstand, er wird zur Stütze, zum Lebensbegleiter. “Grob gesagt, ich lebe überhaupt weit lieber mit Dingen als mit Menschen. Jedes ist ein Wunder für mich, denn jedes ist nur reine Gestalt, weiter nichts. Der Sinn seines Daseins ist, ganz einfach dazusein,“

Musik: Allegretto aus Franz Schuberts Symphonie Nr. III, D-Dur, Camerata academica des Salzburger Mozarteums, Dirigent Bernhard Paumgartner (1955). Dauer: 8.11 Min.

 

2. Hörstation:
Auf die Liebe Waggerls zu den Dingen und die “Botschaft“ dieser Beziehungen geht der Germanist Karlheinz Roßbacher in der zweiten Hörstation im Dokumentationsraum ein.
Unter dem Titel “Das Eigentliche bleibt Geheimnis“ kommen hier die Kritiker zu Wort: die Autoren Rudolf Bayr, Lutz Besch, Manfred Hausmann, die Kulturpublizisten Geil Kerschbaumer und Karl Müller, die Germanisten Otto Amann und Karlheinz Roßbacher, sowie der künstlerische Leiter des Salzburger Adventsingens Tobi Reiser jun.

 

 

Ergänzt und gebrochen werden die Aussagen von Waggerl selbst. Zwei Themenkreise werden in dieser 0-Ton-Collage aus Archivmaterial und Interviews angesprochen: das Missverständnis Waggerl und Waggerls Erfolg.“Das Missverständis Waggerl ist so alt wie der Autor Waggerl“ stellt der Wahlwagrainer Lutz Besch fest. Dieses Missverständnis bezieht sich sowohl auf die Person - “Waggerl war skeptisch, kritisch, intellektuell, agnostisch, areligiös“ (Rudolf Bayr) -‚ als auch auf dessen Werk: „Waggerl ist nur zum Teil ein sogenannter adventlicher Dichter“ (Karl Müller). Obwohl sich Karl Heinrich Waggerl gegen die Bezeichnung “Heimatdichter“ wehrte, bekommt er von vielen Verehrern noch heute diesen Stempel aufgedrückt. Paradox, aber wahr: Gerade dieses Missverständnis war und ist ein Grund für den Erfolg des Schriftstellers. Freilich hat der Handwerker und Dichter an dem Mythos vom literarischen Trostspender auch selbst fleißig mitgezimmert, gleichzeitig litt er darunter: “Ich bin (...) kein Bauernlümmel. Ich besitze einen Smoking und sehe darin bestimmt nicht lächerlicher aus als ein anderer Mitteleuropäer“.

Musik: Miles Davis “Generique“ (1951) aus dem Film “Fahrstuhl zum Schafott“ von Louis Malle. Dauer: 12.13 Min.

 

3. Hörstation:
Im Heimatraum - Sie ist dem „Wagrainer“ Waggerl gewidmet. Fünfzehn Wagrainerinnen und Wagrainer spannen den Bogen von der allgemeinen und persönlichen Armut der 20er und 30er Jahre bis zum wirtschaftlichen Aufschwung durch den Fremden-verkehr und erinnern sich an Waggerls Einsatz für den Markt und seine Bevölkerung.
Die Stellungnahmen der Wagrainer werden durch Zitate Waggerls kommentiert; von der Ankunft des jungen Fremden in Wagrain bis zu dem Zeitpunkt, wo sich der reife Dichter zu Hause fühlte: „Nun bleibe ich hier in meinem Dorf. Kein Ruf der Eitelkeit soll mich noch weglocken“.

Musik: Tohias Reiser Geigenmusik, “Geigenjodler aus dem Pongau“, Volksweise (1915). Dauer: 15.30 Min.
Tomas Friedmann

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