Wagrain, Geschichte des Ortes

Die Frühgeschichte von Wagrain ist noch völlig unerforscht. Der Name leitet sich, wie Matthias Schönberger (ehemaliger Gemeindesekretär und Chronist) in seiner Chronik vermerkt, vermutlich aus der Zusammensetzung zweier Begriffe her: Wag oder Vag für Wassser und Rain für Abhang, Ufer, Böschung, also „Rain am Wasser“.
Bereits die Römer erschlossen unser Gebiet: sie bauten die alten Saumpfade aus: vom Süden (Kärnten,Katschberg) über Altenmarkt nach Pfarrwerfen ins Salzachtal und eine Abzweigung von Altenmarkt über Reitdorf, Genigau, Lackenkapelle, Ginau zur Römerstraße durch das Salzachtal.
In Wagrain standen zwei Wachtürme, einer davon dürfte die Grundfeste des Turms der Pfarrkirche sein, der andere stand auf dem Burghügel.
Einige Forscher leiten von diesen den Namen Wagrain = Wachrain ab.
Nach dem Sturz der Römer (475 n.Ch.) kam Norikum unter ostgotische Herrschaft und später zum Frankenreich. Bei wiederholten Einfällen der Slawen wurde Wagrain völlig zerstört und war nur mehr ein öder Wassergraben = „badna lugna“.
Anfang des 8. Jhdts. begann die Christianisierung, die aber nur sehr schleppend vorwärtskam.
Der Bischof von Salzburg war zugleich Landesfürst und damit setzte auch in unserer Gegend das Lehenswesen ein. Ältester Lehensträger war der von Erzbischof Adalbert (923-935) eingesetzte Luitfried - er erhielt das ganze Gebiet zwischen den „Arlflüssen“.

Im 12. und 13. Jhdt. wurden die Herren von Goldegg Lehensträger und Eigentümer der Hofmark (= kleineres, geschlossenes Gebiet, in dem der Inhaber Rechte ausübt, die sich den Gerichtsrechten in einem unterschiedlichen Maß nähern. In militärischen Bereich: Aushebung und Musterung der Mannschaft, Arbeitsleistung zur Errichtung von Verteidigungsanlagen und auch zu Straßen- und Wasserbau -Robot oder. Scharwerk-, Recht der Steuereinhebung, was finanziell sehr einträglich war. Diese Rechte wurden einmal jährlich auf dem Landtaiding den Einwohnern der Hofmark vorgetragen und eingeschärft.)
Die Herren von Goldegg gelten als díe Erbauer der Burg Wagrain. Offenbar bestand sie aus 4 Ecktürmen( aber nur von einem sind heute noch bescheidene Mauerreste vorhanden) und besaß eine Ringmauer. Von hier aus soll es auch eine Lederbrücke vom Markt zum Grafenberg hinüber gegeben haben.
Weiters gab es drei unterirdische Gänge in den Markt. Einer zum Keller des Steinerwirtes (1878 vermauert), der Zweite zur Burgkapelle (Marktkirche), der Dritte wurde 1929 beim Bau des Grafenwirtshauses entdeckt und wegen seines verfallenen Zustandes zugemauert.
Die Burg ist nirgends urkundlich erwähnt, ihre Zerstörung dürfte in das 14. Jhdt. zurückgehen.

Urkundlich wurde der Ort erstmals im Jahre 1234 erwähnt, aus dem Jahr 1285 stammt die erste schriftliche Nennung als Markt.
Nach dem Aussterben der Goldegger im Jahre 1400 wurde die Siedlung 1459 landesfürstlich. Wagrain wurde zu einem eigenen Landgericht erhoben.

Als Markt wurde Wagrain 1556 zu den Landtagen zugelassen. 1653 wurde das Landgericht Wagrain um Genigau und Kleinarl erweitert, aber 1802 wieder mit dem Pfleggericht St. Johann vereinigt.

wagrain in österreich

Die Lehre Luthers war bald nachdem dieser 1517 seine 95 Thesen angeschlagen hatte, rasch in die Gebirgstäler vorgedrungen. Bereits 1524 wurde das erste Verbot der neuen Lehre durch die Landeskirchenversammlung erlassen. Harte Bestrafungen und Landesverweisungen folgten bereits nach den Bauernkriegen. Unzufriedenheit und Verbitterung trieben viele Menschen in den neuen Glauben.
1727 kam es zu gezielten Maßnahmen gegen den offen auftretenden Protestantismus. 1731/32 kam es zur Emigration von über 80 % der Wagrainer nach Ostpreußen, Holland und Amerika.
Dem Zimmermann und Prediger Hans Moßegger, der auf Grund seines Bekenntnisses zum evangelischen Glauben verfolgt und schließlich vertrieben wurde, wurde 1982 zu seinem 250. Todestag ein Gedenkstein gesetzt: „Moßegger - Gedenkstein“ (unterhalb des Holleregg-Hofes).

Wagrain hatte durch seine Lage regen Anteil am Handel und Wandel - Fuhrwerker, die über den Tauern ihre Transporte abwickelten, mußten durch Wagrain, und davon profitierten Kaufleute und Wirte.
Mit dem Bau der Eisenbahn durch das Gasteinertal wurde diese Verdienstmöglichkeit jedoch sehr stark eingeschränkt und der Ort verarmte.

1927 zerstörte ein verheerender Brand einen großen Teil der Gebäude um den Marktplatz.
Die Not wurde dadurch noch verschärft und führte zu einem Nachdenken über die Zukunft des Ortes: wie konnte Wagrain sich aus eigener Kraft retten?
Drei Männer: Waggerl, Reisenberger und Hochleitner setzten auf den Fremdenverkehr und setzten all ihre Kraft ein, ihn zu fördern.
Waggerl war für die Werbung zuständig und hat die ersten Ortsprospekte gestaltet und verfaßt. Die Ruhe und Abgeschlossenheit des Ortes lockte immer mehr Erholungssuchende hierher. Bis 1937 kamen viele Gäste aus Europa und auch aus Übersee nach Wagrain. Dann mit der 1000-Mark-Sperre war jedoch eine deutliche Einbuße bei den Gästeübernachtungen zu verzeichnen. Nach dem Zweiten Weltkrieg aber ging es wieder aufwärts.

1949 wurde der erste Berglift errichtet und eröffnet und damit der Grundstein gelegt für das Schidorf Wagrain, wie es heute in aller Welt bekannt und geschätzt ist.
Aber nicht nur im Winter sind die Aufstiegshilfen von besonderer Bedeutung, auch im Sommerfremdenverkehr sind sie eine wichtige Hilfe für die Wanderer, da sie auch älteren Menschen das Erlebnis eines wunderbaren Bergsommers ermöglichen.



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