Prof. Erwin Exner

Erwin Exner - Langtext 2

Prof. Erwin Exner (1915 – 1995)
Akademischer Maler und Grafiker

Erwin Hermann Kurt Exner wurde am 12. März 1915 als Sohn des Kunstmalers Karl Vinzenz Konstantin Exner und seiner Frau Viktorine geboren. Karl Vinzenz Konstantin Exner kam am 15. Dezember 1883 als Sohn eines Grundbuchbeamten in Hartberg in der Steiermark zur Welt. Bereits der Großvater von Erwin Exner betätigte sich in seiner Freizeit künstlerisch als Maler und Zeichner. So fertigte er unter anderem gezeichnete Tagebücher im Kleinformat an, die sich heute im Stadtmuseum von Graz befinden.

Der Vater war von Beruf Kunst- und Dekorationsmaler. Er arbeitete neben seiner Beschäftigung in einem Dekorationsatelier unter anderem auch beim Theater und Film. Er bevorzugte die Arbeit in Öl und war eher der gegenständlichen Malweise verbunden. Nach dem Ersten Weltkrieg, als das Dekorationsatelier aufgelassen wurde, versuchte Karl Exner als freiberuflicher Künstler zu überleben.

Die Mutter von Erwin Exner, Viktorine Kremlizka, wurde als Tochter eines Uhrmachers in Wien im Jahr 1889 geboren. Mit 14 Jahren begann sie eine Lehre als Druckereigehilfin und Schriftsetzerin in einer Druckerei. 1911 heiratete sie Karl Exner und bekam drei Kinder, Karoline (1906), Karl (1909) und Erwin (1915). Erwin Exner wandte sich 1935, nach dem Besuch der Volks- und Realschule, die er mit Matura abschloss, dem Studium an der Akademie der bildenden Künste in Wien zu. Sein bildnerisches Talent wurde bereits im Kindesalter von Vater und Großvater gefördert.

Von 1935 bis 1939 absolvierte er seine Diplomausbildung als Maler in den Meisterklassen von Prof. Herbert Boeckl (Expressionist) und Prof. Karl Fahringer (Naturalist). Die Auffassung von Kunst und Malerei des Prof. Fahringer und seine Lehre der naturgetreuen Darstellung des Motives sagten Erwin Exner besonders zu. Neben der künstlerischen Ausbildung studierte er an der Universität Wien die Fächer Geographie und Sport mit dem Ziel, später einmal als Mittelschullehrer tätig sein zu können. Die Studiengebühren für Erwin Exners Ausbildung mussten seine Eltern in Raten bezahlen, da sie in der Zwischenkriegszeit unter großem finanziellem Druck standen.

 


Zweiter Weltkrieg

Bereits in den 30er Jahren meldete sich Erwin Exner freiwillig zum Heer mit dem Ziel, aktiver Offizier zu werden. Im August 1939 wurde er zur Wehrmacht einberufen. Er erhielt noch schnell sein Diplom als Maler, musste dann aber sogleich in den Krieg ziehen, der ihn quer durch Europa brachte.
Er durchlebte den Zweiten Weltkrieg in vielen verschiedenen Ländern, wie Frankreich, Rumänien, Jugoslawien, Russland, Polen, Belgien etc., und oftmals war er direkt an der Front stationiert. Auch als Soldat hatte er Farbe, Pinsel und Zeichenpapier dabei, um all die vielen Eindrücke, die ihm begegneten, aufs Papier bringen zu können. Nach einer schweren Verwundung (Durchschuss des rechten Oberarmes) und einer schweren Erkrankung befand er sich kurz auf Erholungs- und Weiterbildungsurlaub in der Heimat. Doch ein vorzeitiger Fronteinsatz verhinderte die Abschlussprüfung für das Lehramt.
Durch die Einführung einer neuen Studienordnung für Mittelschullehrer sowie den Kampf um die Existenz nach dem Zusammenbruch wandte er sich vom geplanten Ziel, als Mittelschullehrer zu arbeiten, ab.

Erwin Exner kam erstmals übers Tappenkar nach Wagrain.

Mit einigen Kameraden marschierte er von Bleiburg aus, wo sie allesamt aus englischer Kriegsgefangenschaft flüchteten, in den Nächten bis in den Lungau und über das Tappenkar nach Wagrain und Mitterberghütten. Der Marsch dauerte 22 Tage.

In Mitterberghütten wurde er am 12. Juli 1945 als dekorierter Oberleutnant der Reserve aus der amerikanischen Kriegsgefangenschaft entlassen.



Seine Arbeit

Bei seinen Werken kommt neben naturalistischen Darstellungen der Gegenwart, der Menschen, der Pflanzen und der Tiere, auch seine Liebe zu historischen Kunstschätzen und Bauwerken zum Ausdruck.

Erwin Exner hat sich in vielen Techniken der bildenden Kunst versucht; von der Bleistiftzeichnung bis zum Kupferstich, von der Kunst des Aquarells bis zur Ölmalerei, von der Gestaltung von Textilien bis zu der von Fassaden. Seine bevorzugtesten und charakteristischsten Techniken sind aber seine Zeichnungen, seine Aquarelle und seine Sgraffiti.

Aber auch grafischen Bewegungsstudien, vor allem aus dem Bereich des Sports, widmete er sein Interesse.

1985, zu seinem 70. Geburtstag, erhielt er anläßlich der Eröffnung seiner Ausstellung „40 Jahre Exner, Wagrain“, von Landeshauptmann Haslauer eine Landesauszeichnung, die Festungsmedaille für Kunst und Wissenschaft, überreicht.

Leider konnte Erwin Exner bei der feierlichen Überreichung nicht anwesend sein, denn in der Nacht zuvor ereilte ihn ein schwerer Schlaganfall. Seine Krankheit zog lange Krankenhausaufenthalte und einen Umzug ins Seniorenheim nach sich. Seine Sprache und sein gutes Gedächtnis blieben ihm aber erhalten, und auch seine rechte Hand, mit der er noch viel Schönes zu Papier bringen konnte

Die Gemeinde Wagrain hat sich 1992 entschlossen, einen repräsentativen Querschnitt aus dem Werk von Prof. Erwin Exner für das Gemeindearchiv anzukaufen.

 

Aquarell - Exner, Wagrain

Prof. Erwin Exner, Maler in Wagrain

Wagrain, seine zweite Heimat

Mit der Weiterfahrt nach Wien zu seinen Eltern gab es jedoch Schwierigkeiten, denn Wien lag in der russischen Besatzungszone. So quartierte sich Erwin Exner vorerst noch bei der jungen Kriegerwitwe Ilse Müller aus Berlin ein, die in Wagrain ein halbfertiges Haus besaß. Erwin Exner hielt in der schweren Nachkriegszeit sich selbst, Frau Müller und ihre beiden Töchter durch Aquarell- und Porträtmalerei und diverse andere Tätigkeiten über Wasser. Teilweise erhielt er auch eine finanzielle Unterstützung von seinen Eltern aus Wien.

Die berufliche Etablierung in Wagrain gestaltete sich vorerst sehr schwierig, da bereits ein weiterer Maler, Ernst Huber, hier ansässig war. Erwin Exner musste viele verschiedene Tätigkeiten verrichten und bildnerisch in allen malerischen Techniken arbeiten, um überleben zu können.

Im Jahr 1948 wird Gabriele, die gemeinsame Tochter von Erwin Exner und seiner Quartiergeberin und späteren Ehefrau Ilse Müller, geboren.

Ab 1949 arbeitete Exner einige Zeit als Zeichenlehrer und Maler an der „Dependend School and Education Center of the US Army“ in
St. Johann im Pongau.

Im Jahr 1951 entwarf Erwin Exner für die Firma Hönel & Baumann Textilentwürfe. Dies brachte ihn künstlerisch in eine völlig neue Situation, da er seine Ideen in ein vorgegebenes Rastersystem zwängen musste.

1952 erhielt er wieder einen Reisepass, denn dieser war ihm nach dem Zusammenbruch entzogen worden, das empfand der Reiselustige als große Einschränkung. In der Folge unternahm er viele Studienreisen ins Ausland, so in die Schweiz, nach Schweden, Holland, Deutschland, Italien, Frankreich, Ägypten, Sudan, Kanada, Spanien etc. In vielen dieser Länder verweilte er auch zu längeren Arbeitsaufenthalten. Diesen Auslandsaufenthalten entstammten unzählige Bilder und Grafiken. Viele kleine Ausstellungen im In- und Ausland steigerten seinen Bekanntheitsgrad und den Verkauf seiner Bilder.

Am 13. März 1958 kam es zur Gründung des Lions Club „St. Johann im Pongau“, Erwin Exner zählte zu den Gründungsmitgliedern. Er bekleidete im Lauf seiner Mitgliedschaft mehrere Funktionen im Club. Am 12. März 1992 erhielt er als hohe Auszeichnung die „Melvin Jones Fellow Plakette“

Im Jahr 1958 absolvierte Erwin Exner eine Weiterbildung an der Akademie für Bildende Künste in Wien, und zwar in der Meisterklasse für Grafik bei Prof. Christian Martin, in Radier- und Lithotechnik. 1959 erhielt er das Diplom als akademischer Grafiker und Maler (Diplomarbeit in Radiertechnik: Titel „Berlin - West und Ost“).

Erwin Exner arbeitete stets aktiv im Kultur- und Gemeinwesen von Wagrain mit. So gründete er eine Singgruppe in Wagrain, er initiierte Sportveranstaltungen (z. B. Armbrustschießen, Schirennen etc.) und integrierte sich auch in mehreren ortsansässigen Vereinen.

Für viele Anlässe und Gelegenheiten malte er Plakate und Einladungen. Permanente Ausstellungen in seinem Atelier (erbaut 1959—1961) konnten immer besichtigt werden. Es kam im Atelier, in dem er, nur durch Studienreisen unterbrochen, stets arbeitend anzutreffen war, auch zu vielerlei anderen kulturellen Veranstaltungen und Ereignissen.

Fast zehn Jahre hindurch war er Obmann des Fremdenverkehrsvereines, und er gestaltete auch den ersten Wagrainer Fremdenverkehrsprospekt.

1974 gründete er den „Heimatmuseumsverein Wagrain“ und war Obmann bis 1991. Auch in dieser Eigenschaft hat er große Verdienste um die Erhaltung und Pflege bäuerlicher Kultur, sowie gemeinsam mit dem leider zu früh verstorbenen Kustos Alois Doppler um die Heimatsammlung und die Erhaltung alter Gebäude. (Waggerl-Kasten....)

1975 wurde ihm der „Goldenen Ehrenring der Marktgemeinde Wagrain“ für seine großen Verdienste um Wagrain verliehen und 1980 das Silberne Verdienstzeichen des Landes Salzburg.

1981 ergriff Erwin Exner anläßlich seines Auftrittes im „Seniorenclub“ gemeinsam mit der „Familienmusik Hutter“ die Gelegenheit, die Vorzüge Wagrains als Urlaubsort und die Schönheit unserer Heimat hervorzuheben.

1982 war Erwin Exner in einer Folge der Fernsehserie „Alfred auf Reisen“ gemeinsam mit Alfred Böhm als Schauspieler zu bewundern. Auch dies war eine wunderbare Werbung für Wagrain und unsere Region.

1984: Verleihung der Professur für sein künstlerisches Schaffen durch den Unterrichtsminister.

1985, in der Nacht vor seinem 70. Geburtstag erkrankte Erwin Exner schwer - ein Schlaganfall hinderte ihn die Auszeichnung für Kunst und Wissenschaft aus den Händen des Landeshauptmannes Dr. Wilfried Haslauer persönlich entgegen zu nehmen. Doch der Künstler hatte Glück im Unglück: seine Sprache, seine geistigen Kräfte, sein Gedächtnis und die Bewegungsfähigkeit der rechten Hand sind ihm erhalten geblieben, so dass er weiter aktiv und kreativ sein konnte. Das Ehepaar Exner lebte seither im Seniorenheim der Marktgemeinde Wagrain.

Ab 1991 bis zu seinem Tod 1995 war Erwin Exner Ehrenobmann des Kulturvereins „Blaues Fenster“, dem Nachfolgeverein des „Heimatmuseumsvereins“.

1995, an seinem 80. Geburtstag ehrte ihn die Marktgemeinde Wagrain als Träger des goldenen Ehrenringes und auf Grund seines eifrigen Wirkens zum Wohle Wagrains und der Kulturverein „Blaues Fenster“ als seinen Ehrenvorsitzenden mit einer Ausstellung im Gemeindeamt und einem feierlichen Festakt.

Prof. Erwin Exner verstarb 1995 kurz nach seinem 80. Geburtstag.

Seine Ehefrau Ilse wohnte weiterhin im Seniorenheim, wo auch sie 2003 verstarb.

Das Grab des Ehepaares befindet sich neben dem ihrer Freunde Karl Heinrich und Dita Waggerl auf dem Wagrainer Ortsfriedhof.



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